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Botrytis bei Cannabis

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Botrytis bei Cannabis (Grauschimmel) – Ursachen, Symptome, Prävention & professionelle Gegenmaßnahmen

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Warum Botrytis eine ernsthafte Bedrohung ist

  2. Der Erreger: Botrytis cinerea

  3. Biologie & Lebenszyklus des Pilzes

  4. Warum Cannabis besonders gefährdet ist

  5. Symptome von Botrytis – Frühstadium bis Totalbefall

  6. Hauptursachen & Risikofaktoren im Detail

  7. Botrytis in der Blütephase – die kritische Zone

  8. Indoor vs. Outdoor: Unterschiede im Risiko

  9. Was tun bei Befall? – Schritt-für-Schritt-Anleitung

  10. Nachhaltige Prävention im Growraum

  11. Genetik & Sortenwahl als Schutzfaktor

  12. Wissenschaftliche & praktische Erkenntnisse aus der Branche

  13. Fazit

  14. Quellen


1. Einleitung: Warum Botrytis eine ernsthafte Bedrohung ist

Botrytis, auch Grauschimmel oder Bud Rot genannt, zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Pilzerkrankungen im Pflanzenbau. Im Cannabisanbau kann sie innerhalb weniger Tage komplette Blütenstände zerstören.

Besonders tückisch: Der Pilz entwickelt sich häufig im Inneren dichter Buds, bevor äußerlich sichtbare Symptome auftreten.


2. Der Erreger: Botrytis cinerea

Der Auslöser ist der Pilz Botrytis cinerea, ein nekrotropher Krankheitserreger. Das bedeutet:

  • Er befällt geschwächtes oder feuchtes Gewebe

  • Tötet Pflanzenzellen aktiv ab

  • Ernährt sich vom abgestorbenen Material

  • Produziert Millionen luftgetragener Sporen

Sporen sind nahezu überall vorhanden – problematisch wird es erst bei geeigneten Umweltbedingungen.


3. Biologie & Lebenszyklus des Pilzes

Der Infektionsprozess verläuft typischerweise in fünf Phasen:

  1. Sporenablagerung auf feuchtem Pflanzenmaterial

  2. Keimung bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit

  3. Eindringen über Mikroverletzungen oder natürliche Öffnungen

  4. Zerstörung von Zellstrukturen

  5. Bildung neuer Sporen

Bereits 4–6 Stunden Blattnässe können eine Infektion ermöglichen.


4. Warum Cannabis besonders gefährdet ist

Cannabisblüten bieten ideale Bedingungen:

  • dichte Blütenstruktur

  • eingeschränkte Luftzirkulation im Inneren

  • hohe Feuchtigkeitsbindung

  • empfindliche Zuckerblätter

Seedbanks wie Royal Queen Seeds und Dutch Passion weisen darauf hin, dass besonders kompakte Indica-dominante Sorten stärker gefährdet sind als luftige Sativa-Genetiken.


5. Symptome von Botrytis – Frühstadium bis Totalbefall

Frühstadium

  • einzelne welkende Zuckerblätter

  • kleine braune Flecken im Bud

  • leichter muffiger Geruch

Mittleres Stadium

  • weiches, bräunliches Gewebe

  • grauer, staubiger Sporenbelag

  • Blüten zerfallen beim Öffnen

Spätstadium

  • komplette Cola verfault

  • massive Sporenfreisetzung

  • Ausbreitung auf benachbarte Pflanzen

Wichtig: Große Colas regelmäßig vorsichtig öffnen und kontrollieren.


6. Hauptursachen & Risikofaktoren im Detail

Hohe Luftfeuchtigkeit

  • über 60 % rF erhöht Risiko

  • über 70 % akute Gefahr

Temperatur

  • 15–25 °C ideal für Pilzwachstum

  • starke Schwankungen → Kondenswasserbildung

Schlechte Luftzirkulation

  • stehende Luft begünstigt Sporenablagerung

Verletzungen

  • durch Training

  • durch Schädlinge

  • durch grobes Handling


7. Botrytis in der Blütephase – die kritische Zone

Laut Empfehlungen von Sensi Seeds steigt das Risiko besonders:

  • ab Woche 4–5 der Blüte

  • bei zunehmender Bud-Dichte

  • bei sinkender Transpiration

Empfohlene Luftfeuchtigkeit in der späten Blüte: 45–50 %


8. Indoor vs. Outdoor: Unterschiede im Risiko

Indoor

Vorteile:

  • kontrollierbares Klima

Risiken:

  • falsche Luftführung

  • unzureichende Entfeuchtung

  • zu dicht gestellte Pflanzen


Outdoor

Hauptprobleme:

  • Regenperioden

  • Morgentau

  • Nebel

  • Herbstliche Temperaturschwankungen

Dutch Passion empfiehlt bei feuchten Regionen:

  • luftige Standorte

  • resistente Genetiken

  • ggf. frühere Ernte


9. Was tun bei Befall? – Schritt-für-Schritt

  1. Befallene Blüten großzügig entfernen (mind. 2–3 cm ins gesunde Gewebe schneiden)

  2. Handschuhe tragen

  3. Werkzeuge desinfizieren

  4. Luftfeuchtigkeit sofort senken

  5. Umluft intensivieren

  6. Nachbarbuds kontrollieren

Befallene Blüten sind nicht mehr verwendbar.


10. Nachhaltige Prävention im Growraum

Klima-Kontrolle

  • rF in der Blüte unter 55 %

  • stabile Temperaturen

Luftführung

  • horizontale & vertikale Umluft

  • keine „toten Zonen“

Pflanzenschnitt

  • moderates Entlauben

  • untere Triebe entfernen

Bewässerung

  • kein Wasser auf Blüten

  • Gießen zu Beginn der Lichtphase


11. Genetik & Sortenwahl als Schutzfaktor

Royal Queen Seeds und Sensi Seeds betonen:

  • luftige Sativa-Strukturen sind widerstandsfähiger

  • kompakte Indicas anfälliger

  • moderne Hybridzüchtungen zeigen verbesserte Resistenz

Die Wahl der richtigen Genetik ist ein unterschätzter Präventionsfaktor.


12. Wissenschaftliche & praktische Erkenntnisse

Forschungen (z. B. Williamson et al., Elad et al.) zeigen:

  • Sporen sind ubiquitär

  • Feuchtigkeit ist der Hauptauslöser

  • Prävention ist effektiver als Bekämpfung

Professionelle Gewächshausbetriebe setzen daher primär auf:

  • Klimasteuerung

  • Luftbewegung

  • Hygienemanagement


13. Fazit

Botrytis ist eine der größten Gefahren im Cannabisanbau – besonders in der Blütephase.

Da der Befall meist im Inneren dichter Buds beginnt, ist regelmäßige Kontrolle entscheidend. Mit konsequentem Klima-Management, guter Luftführung und passender Genetik lässt sich das Risiko jedoch erheblich reduzieren.


14. Quellen

  • Williamson, B. et al. (2007): Botrytis cinerea: the cause of grey mould disease

  • Elad, Y. et al. (2016): Botrytis – Biology, Pathology and Control

  • Chandra et al. (2017): Cannabis cultivation: physiological and environmental factors

  • Royal Queen Seeds – Bud Rot Guide

  • Sensi Seeds – Grey Mold Prevention Guide

  • Dutch Passion – Mold Resistant Strains Guide

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